BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft, Lauf 10
Saisonabschluss
nach
Maß
Nürburgring/Würzburg:
Bei
strömendem
Regen
und
eiskaltem
Wind
ging
das
Team
Derscheid
mit
zwei
Fahrzeugen
in
den
10.
und
letzten
Lauf
der
BFGoodrich
Langstreckenmeisterschaft
2008.
Teamchef
Rolf
Derscheid
ermöglichte
zwei
alten
Hasen
das
letzte
Rennen
der
Saison,
bei
dem
Werner
Schlehecker
und
Robert
Baumann
aufs
Äußerste
gefordert
wurden.
Ungewöhnlich: Der letzte Lauf zur
BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft fand Sonntag statt. Und während andere
in die Kirche und anschließend zum Frühschoppen pilgerten, zwängten sich die
Protagonisten der Langstreckenmeisterschaft in ihre feuerfesten Anzüge,
ließen sich anschnallen und versuchten, auf sehr schwieriger Strecke eine
ordentliche Rundenzeit zu absolvieren. Mittendrin statt nur dabei: Das Team
Derscheid mit zwei Autos. Das Stamm-Duo Rolf Derscheid und Michael Flehmer
bildeten das Team der „jungen Wilden“, während Werner Schlehecker und Robert
Baumann teamintern als die „Erfahrenen“ geführt wurden.
#645 –
Derscheid /
Flehmer
mit
dem
Drang
nach
vorne
Michael
Flehmer drehte als erster seine Pflichtrunde im Regen und kehrte ernüchtert
zurück: „Die Streckenverhältnisse ließen eigentlich alles zu – außer Rennen
zu fahren. Überall lagen Laub und Äste auf der Fahrbahn, überdies gab es
eine Ölspur von etlichen Kilometern, die einen
massiv einbremste. Ich hatte zu
keiner Zeit Grip, und das Auto war nur
am
Rutschen. Spaß hatte ich keinen.“ Ähnlich
der Kommentar von Rolf Derscheid, der als
zweiter Fahrer auf dem „Junioren-Auto“ ins Training ging: „Es war derartig
glatt, dass mir tatsächlich die passende Beschreibung fehlt. Ich habe alles
in die Hand genommen, was mir mein Können bot – belohnt wurde das Team mit
dem ersten Startplatz in unserer Klasse.“ Trotz schwieriger Piste und
widrigem Wetter deklassierte Derscheid die Wettbewerber in der Klasse V2
buchstäblich. Mit acht Sekunden
Vorsprung sicherte er sich die Poleposition. „In der engen und hart
umkämpften Klasse V2 sind acht Sekunden nahezu eine Welt", so der Teamchef
nach dem Training zufrieden. Im Rennen ging, wie gewohnt, Michael Flehmer
als erster auf die Strecke. Der Regen hatte noch nicht ganz nachgelassen,
wurde aber deutlich weniger. Auf Platz eins der Klasse überfuhr Flehmer die
Startlinie, wurde aber alsbald von zwei wie entfesselt fahrenden
Konkurrenten überrundet. Flehmer: „Ehe ich mich versah, gingen die beiden an
mir vorbei. Den Manövern zolle ich meinen Respekt. Ich habe mich dahinter
gehängt, um sie nicht aus den Augen zu verlieren.“ Ohne Druck von hinten
konnte Flehmer sein Rennen fahren und sich im Laufe der Runden wieder an die
vor ihm liegenden Autos rankämpfen. „Ich habe mich mit meinen Aktionen
zurückgehalten, um das Rennen nicht vorzeitig zu beenden. Dennoch hat sich
der auf Platz zwei liegende Konkurrent offensichtlich bedrängt gefühlt und
sich „überfahren. Sein Fehler hat mir Platz zwei geschenkt.“ Flehmer konnte
sich kontinuierlich absetzen, und im Laufe seines Turns trocknete die
Strecke langsam ab. Zwölf Runden drehte Flehmer, bevor er das Auto an seinen
Teamchef übergab. „Michael hat tadellose Vorarbeit geleistet. Ich konnte den
Platz halten und als zweiter der Klasse über die Ziellinie fahren", erklärte
der Teamchef in aller Kürze nach dem Rennen. Es sei trotz zunehmend
abtrocknender Strecke immer noch sehr rutschig und anspruchsvoll gewesen,
ergänzte Derscheid. Ohne Druck und Probleme „rollte“ der Derscheid BMW sein
Rennen zu Ende und kassierte fleißig Punkte. In der Tabelle der
Gesamtwertung liegt das Duo Derscheid / Flehmer auf Rang 19 von knapp 1000
in der Meisterschaft gestarteten Fahrern. In der Klasse V2 belegt das Team
einen hervorragenden zweiten Platz.
# 644 –
Schlehecker /
Baumann
lassen
es
krachen
„Nur
ein bisschen für den Spaß fahren", und „nicht ernsthaft angreifen“ erklärten
beide auf dem zweiten Derscheid Auto noch vor dem Rennen. Was dann folgte,
war jedoch alles andere als Spaß und „altersbedingtes Rum-Rollen“. Werner
Schlehecker und Robert Baumann stiegen mit dem gleichen Tenor nach dem
Training aus dem
Auto: „Es war wahnsinnig glatt, es gab wenig Unfälle, aber eine ewig lange
Ölspur. Überdies haderten wir mit deutlich geringerer Leistung als das
Schwesterauto und der Rest des V2Feldes, da wir mit einem auf der Straße
sicherlich schon 100000 km gelaufenes Serienaggregat angetreten sind. Die
Zeit war einfach zu knapp, um einen optimalen Motor einzubauen, da das Team
erst kurz vor Nennungsschluss entschieden hatte, das zweite Auto
einzusetzen.“ Nach dem Training fand sich das zweite Auto auf Platz sieben
wieder, was die fahrerische Stärke
des Duos herausstellt. Werner Schlehecker, der sonst im Team als
Gast-Chauffeur unterwegs ist, übernahm den Start und hielt sich aus den
typischen Anfangs-Rempeleien wohlwissend raus. Schon bald fand er seinen
Rhythmus, drehte Runde um Runde und wurde auf diese Weise immer weiter
vorgespült. „Es war zu Beginn des Rennens sehr rutschig und extrem schwierig
zu fahren. Dennoch hatte ich Spaß, auch wenn dieser durch die mangelnde
Leistung ein wenig geschmälert wurde. Nach meinem Stint war ich froh, dass
der Wagen ganz geblieben ist.“ Robert Baumann bekam beim Boxenstop Slicks
montiert, so dass er nach der Übergabe des Autos auf fast trockener
Ideallinie seine Runden drehen konnte. Insgesamt sechs Mal überquerte der
sonst im Youngtimersport anzutreffende Baumann die Start-Ziel-Gerade, ehe
sein Rennen durch die karierte Flagge beendet wurde. Am Ende landeten die
beiden alten Hasen auf dem vierten Platz der Klasse V2.
Text: Redaktionsbüro Meuren
Fotos: Redaktionsbüro Meuren / BRfoto