Gleichmäßigkeitsprüfung
2010
Wettschulden sind
Ehrenschulden
Ich wusste schon gar nicht mehr um
was wir gewettet hatten,
als
Christian Haas mit dem
GLP - Kalender ankam und mich fragte, wann ich meine Wettschuld denn
einlösen und mit ihm eine Gleichmäßigkeitsprüfung auf der Nordschleife im
Vereinsauto fahren würde. Geschockt, dass er es nicht vergessen hatte, sagte
ich den 10. Juli zu. Dies war im Februar un
d
ich kann nur sagen, der Termin kam schnell und damit auch ein paar
schlaflose Nächte.
Die
Nahrungsaufnahme wurde 1 ½ Tage vorher aus Sicherheitsgründen eingestellt
(diese Blöße wollte ich mir unter gar keinen Umständen geben) und so kam der
Samstagmorgen. Den Wecker für 5.15 Uhr hätte ich mir sparen können, um 3 Uhr
war ich hellwach.

Mit dem Vereinswagen, den wir am
Abend vorher aufgeladen hatten, ging es in Richtung Eifel, wo wir uns als
erstes um die Formalitäten kümmerten (DMSB - Lizenz für mich, Transponder
abholen und Tankgutscheine kaufen). Und dann hieß es warten auf die
Fahrerbesprechung, nach der es auch gleich ins Auto und zum Start ging. Nach
20 Minuten warten ging es auf die Strecke zur Einführungsrunde.
Und dann kam für mich die große
Überraschung: Ich hatte mir
vollkommen
umsonst Sorgen
gemacht. Christian fuhr zwar nicht gerade langsam (wie versprochen!!!), aber
ich fühlte mich Sicher und konnte die 12 Runden genießen, dem Fanblock am
Brünnchen den „Daumen hoch“ zeigen und mich auf die beiden Stoppuhren
konzentrieren.
Am Ende sprang für uns der 88.
Platz von 126 Startern heraus, womit wir mehr als zufrieden waren.
Es war eine sehr interessante
Erfahrung, die ganze Sache mal aus Sicht eines Teilnehmers zu sehen und
nicht nur als Streckenposten und es wird mit Sicherheit nicht die letzte
Fahrt auf der Nordschleife für mich gewesen sein. Danke Christian!!!
Heike Kramer
MSC Heiligenhaus e.V.
VLN
Langstreckenmeisterschaft 2010, Lauf 7
"Reifen und Tankdeckel kosten Sieg"
Nürburgring/Würzburg:
Beim 6h-Rennen, dem Saisonhöhepunkt der Langstreckenmeisterschaft
Nürburgring (VLN), lag das Team Derscheid rundenlang in Sichtweite des
ersten Platzes der Klasse V2. Am Ende musste sich das Team mit Rang zwei
zufrieden geben, denn der Sieg scheiterte an Kleinigkeiten.
Dass es ein hartes Rennen über sechs Stunden werden würde,
war allen Mitgliedern des Team Derscheid schon vorm Start bewusst.
Insbesondere die Teamkollegen vom 24h-Rennen würden es dem siegverwöhnten
Team Derscheid mehr als schwer machen, an den großen Pokal heranzukommen.
Das zeigte sich schon im Training, auch wenn die Startposition bei einem
Langstreckenrennen mehr mit Prestige als mit Siegchancen zu tun hat.
Teamchef Rolf Derscheid startete als erster ins Zeittraining und konnte
schon in seiner zweiten Runde die Bestzeit im Team setzen. Die Rundenzeit
von 10:23 Minuten war alles andere als schlecht, dennoch für einen
Startplatz in der ersten Reihe der Klasse V2 nicht ausreichend. Auch Michael
Flehmer (Heiligenhaus) konnte in seinen drei Trainingsrunden die Zeit nicht
unterbieten und so blieb es beim dritten Rang, mit dem das Team nicht
wirklich unzufrieden war.
.gif)

Einmal zu wenig
gewechselt
Mit den Gedanken, dass ein 6h-Rennen sehr lang ist und nicht in der ersten
Runde entschieden wird, ging Startfahrer Flehmer zuerst ins Rennen. Im
Gewühl der ersten Runden konnte er sich am Stoßfänger des Zweitplatzierten
zunächst festbeißen und diesen mächtig unter Druck setzen. Als sich das Feld
auseinander zog und die ersten Überrundungen für die V2-Fahrer anstanden,
konnte Flehmer aber die Konkurrenz nicht mehr halten. Immer wieder wurde
seine Fahrt durch kleinere, zur Überrundung anstehenden Gruppen eingebremst
und ohne gefährliche Überholmanöver riss die Schlagdistanz zum Vordermann
ab. In Runde 12 musste Flehmer die Box ansteuern, um den Wagen an seinen
Teamchef und Fahrerkollegen Rolf Derscheid zu übergeben. Die Mechaniker
tankten den Wagen, kontrollierten die Flüssigkeitsstände und reinigten die
Scheiben. Auf einen Reifenwechsel verzichtete das Team, da man aus der
Erfahrung immer mit einem Satz Vorderreifen einen 2. Stint fahren konnte.
Mit alten Reifen konnte Rolf Derscheid die Rundenzeiten der
Konkurrenz zunächst halten, musste aber schon bald den Kontakt abreißen
lassen. Grund: Die Reifen bauten zur Mitte seines Stints dramatisch ab und
die Rundenzeiten stiegen ebenso dramatisch an. Zehn Runden lang übte sich
der routinierte Rennfahrer Derscheid in Schadensbegrenzung und fuhr mit dem
Messer zwischen den Zähnen auf dessen Schneide. In Runde 23 stand der BMW
erneut und planmäßig vor der Box, jetzt wurde nicht nur getankt, sondern
auch die Räder gewechselt und Michael Flehmer griff erneut ins Renngeschehen
ein. Sieben Runden griff Flehmer massiv an, ohne jedoch den Führenden in
Bedrängnis bringen zu können. Während der Konkurrent freie Fahrt hatte,
musste sich Flehmer erneut durch das Feld wühlen, um wenigstens die Chance
auf Platz eins zu wahren. Nach Runde 30 signalisierte die Tankuhr, dass der
Sprit aufgebraucht war – ein weiterer Boxenstopp stand an, bei dem nur für
vier weitere Runden getankt wurde. Grund für den hohen Spritverbrauch war
ein nicht richtig geschlossener Tankdeckel. So verlor der Wagen exakt soviel
Sprit, wie zum Beenden des Rennens ohne weiteren Stopp nötig gewesen wäre.
Nach sechs Stunden Renndistanz lag das Team auf dem zweiten
Platz der Klasse V2 und dem 82. Gesamtrang von fast 200 gestarteten Autos.
Der nächste Lauf zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring
(VLN) findet am 25. September 2010 statt. Die Renndistanz beträgt vier
Stunden.
Text und Foto: Redaktionsbüro Meuren
Stimmen nach dem Rennen
Rolf Derscheid, Teamchef
und Fahrer:
„Schon im Training zeigte sich, dass die Konkurrenz richtig gut drauf ist.
Der Trainingsplatz war ok. Michael hat einen guten ersten Stint hingelegt.
Er ist erfahren genug um zu wissen, dass ein Rennen nicht mit einer
schnellen Runde gewonnen wird. Es war richtig, nicht mit der Brechstange
durch das Feld zu fahren. Dass wir aufgrund der falschen Reifenwahl den
Anschluss verloren haben, geht klar auf meine Kappe. Der zweite Fehler, den
Tankdeckel nicht richtig zu verschließen ist ein Mechanikerfehler. Aber zu
diesem Zeitpunkt waren wir schon zu weit vom ersten Platz entfernt. Fehler
und Stopp waren zwar ärgerlich, haben uns aber im nicht wirklich geschadet.“
Michael Flehmer, Fahrer:
„Das Training war durchaus in Ordnung, aber im Rennen hatte ich plötzlich zu
viel Grip auf der Vorderachse. Dadurch kam der Wagen ständig quer. Ich
konnte nicht zuletzt auch durch die vielen Überholmanöver das Tempo der
Spitze nicht halten, ohne einen gefährlichen Fahrstil an den Tag zu legen.
Ich habe dann bewusst abreißen lassen. Die Geschichte mit dem Tankdeckel ist
echt dumm gelaufen, aber nicht weiter dramatisch. Der Anschluss war weg und
ich hätte ohnehin nicht mehr aufschließen können. Da in der Klasse V2 dieses
Jahr so wenige Starter sind, ist die Saison für uns gelaufen – wir können
jetzt nur noch Boden gut machen, aber ohne Aussicht auf den Titel oder auf
die Vizemeisterschaft.“
VLN
Langstreckenmeisterschaft 2010, Lauf 5
"Ungefährdeter
Klassensieg"
Nürburgring/Würzburg:
Nach dem Unfall im 4. Rennen der Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN)
musste das Team Derscheid auf das Ersatzauto zurückgreifen, um beim Rennen
am vergangenen Wochenende an den Start gehen zu können. Zuvor waren einige
Umbaumaßnahmen fällig, um den Wagen konkurrenzfähig zu machen. Dass die
Arbeit Früchte trug, bewies der ungefährdete Start-Ziel-Sieg in der Klasse
V2.
Mit neuen Reifen ging Michael Flehmer (Heiligenhaus) in das
um 30 Minuten nach vorne verlegte Training. Grund für die Verschiebung war
das für den Nachmittag angesetzte Fußballländerspiel der deutschen
Nationalmannschaft im Rahmen der WM. Nach 10:29 Minuten überquerte er die
Ziellinie und stellte damit den BMW 318is auf den zweiten Rang der Klasse
V2. Flehmer drehte eine weitere Runde, kam jedoch nicht mehr an die zuerst
gefahrene Zeit heran. Auch Teamchef Rolf Derscheid drehte zwei Runden, ohne
die Zeit des Pole-Setters oder die vom Teamkollegen Flehmer knacken zu
können. Schuld an den verhältnismäßig langsamen Rundenzeiten waren die hohen
Temperaturen und der damit drastisch gesunkene Sauerstoffanteil in der Luft.
Derscheid musste alle Passagen in einem kleineren Gang als üblich fahren,
was auch auf die Strategie fürs folgende Rennen Auswirkungen hatte: Denn um
in der Hitze schnelle Runden zu fahren, musste der Motor höher gedreht
werden, was einen deutlich höheren Spritverbrauch zur Folge hatte.
.gif)

Weniger Drehzahl, längere
Fahrt
Obwohl die Derscheid-Zeit nicht zur Pole-Position reichte,
stand der BMW mit dem KW 3fach Fahrwerk auf Rang eins der Klasse. Technische
Probleme hinderten den Klassenbesten, rechtzeitig seine Startposition
einzunehmen, so dass er aus der Boxengasse dem Feld hinterher fahren musste.
Flehmer durchfuhr das Nadelöhr „Mercedes-Benz Arena“ zuerst und wusste um
die Probleme des Gegners. Dennoch gab er alles, um die „geerbte“ erste
Position zu halten, fuhr jedoch mit reduzierter Drehzahl, um einen
zusätzlichen Tankstopp zu vermeiden. Der Trainingsschnellste hingegen hatte
nichts zu verlieren, fuhr voll auf Angriff und konnte sich sogar am
Derscheid-BMW vorbei kämpfen. Während Flehmers Widersacher in Runde zehn
erstmalig die Box ansteuern musste, konnte er selbst seine Fahrt fortsetzen
und eine Runde länger auf der Strecke bleiben. Dadurch holte sich der
Rennfahrer des Team Derscheid den ersten Platz zurück. Den folgenden Stopp
erledigte die Derscheid-Truppe mit Bravour, und so konnte Rolf Derscheid als
Führender auf die Strecke gehen. Während der Teamchef ruhig seine Runden
drehte, musste der ärgste Gegner nach nur sieben gefahrenen Runden erneut an
die Box. Damit konnte sich der BMW des Team Derscheid auf Platz eins liegend
weiter absetzen und die Siegchancen festigen. Wenige Minuten nach 15:00 Uhr
begangen sich an einigen Stellen der über 25 Kilometer langen Rennstrecke
Hitzegewitter sintflutartig zu entladen. Zahlreiche der mit Slicks bereiften
Rennautos kamen in arge Bedrängnis, etliche Unfälle ereigneten sich und die
Rennleitung sah sich gezwungen, das Rennen gut 15 Minuten vor offiziellem
Ende abzubrechen. Für das Team Derscheid kam der Abbruch in der
Boxeneinfahrt, denn das Team hatte sich entschieden, noch mal einen
Sicherheitstankstopp einzulegen. Den zusätzlichen Stopp hat der Abbruch dem
Team geschenkt und somit auch sein Scherflein zum Klassensieg beigetragen.
Am Ende gewann das Team mit mehr als fünf Minuten Vorsprung auf den zweiten
der Klasse.
Der nächste Lauf zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring
(VLN) findet am 17. Juli 2010 statt. Die Renndistanz beträgt ebenfalls vier
Stunden.
Text und Foto: Redaktionsbüro Meuren
Stimmen nach dem Rennen
Rolf Derscheid, Teamchef
und Fahrer:
„Die Hitze war barbarisch, für alle: für Zuschauer, Boxencrew, Fahrer und
Auto. Durch die Hitze hat unser Auto nicht nur mehr verbraucht, sondern auch
mehr Reifen verschlissen. Michael Flehmer ist sehr besonnen gefahren und so
konnten wir taktieren, um eine Runde länger draußen zu bleiben. Dann hat
unser Stopp deutlich besser funktioniert als der des Gegners, was uns
ebenfalls in die Karten spielte. Es gab wenig schwere Unfälle, mehr
Konzentrations-Crashs und sehr viele technische Ausfälle – nicht zuletzt
wegen geplatzter Reifen durch die Hitze. Unser Ersatzauto funktionierte
tadellos. Für den Rest der Saison werden wir aller Voraussicht nach auf dem
Ersatzauto weiter fahren – was dann kommt, berichten wir rechtzeitig.“
Michael Flehmer, Fahrer:
„Es war irre heiß im Auto, ich bin materialschonend gefahren, um soweit wie
möglich zu kommen. Die Strategie ging auf: Ich konnte länger draußen bleiben
als die Konkurrenz, was uns letztendlich den Sieg gebracht hat. Danke an das
Team Derscheid, das trotz Ersatzauto einen konkurrenzfähigen Renner zur
Verfügung gestellt hat.“
VLN
Langstreckenmeisterschaft 2010, Lauf 4
"Aus vorm Anfang"
Nürburgring/Würzburg:
Nach dem gemeinsamen Klassensieg mit dem Team Matthes Motorsport beim
24h-Rennen 2010 ging das Team Derscheid hoch motiviert in den 4. Lauf zur
Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN). Doch statt siegreicher
Zieldurchfahrt erlebte das Team den Super-Gau.
Michael Flehmer (Heiligenhaus) eröffnete mit seinem Start
ins Training den 4. Lauf der VLN für das Team Derscheid aus Much. Mit
profilierten „Intermedias“ ging Flehmer schon früh auf eine erste
Besichtigungsrunde auf den Grand Prix-Kurs und die Nordschleife des
Nürburgrings. Auf teilweise richtig feuchter Strecke ließ er es ruhig
angehen, wohl wissend, dass das ausstehende vier Stunden-Rennen nicht mit
einer schnellen Trainingsrunde gewonnen wird. Das allerdings schienen nicht
alle 180 Teilnehmer zu beherzigen.
.gif)

Im schnellen Streckenabschnitt „Flugplatz“ geriet unmittelbar vor Flehmer
ein mit profillosen Slicks bereifter Konkurrent auf nasser Piste in arge
Schwierigkeiten und verlor dabei die Kontrolle über sein Fahrzeug. Flehmer
bremste hart und versuchte alles, um eine Kollision zu vermeiden. Doch der
Konkurrent flog einer Billardkugel gleich zwischen linker und rechter
Leitplanke über die Strecke und so passierte, was passieren musste: Der BMW
318is des Team Derscheid wurde hart auf der Fahrerseite getroffen und
rutschte seinerseits in die Leitplanke. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade
einmal fünf der fast 25 Kilometer langen Runde absolviert. Für Michael
Flehmer und das gesamte Team Derscheid war der 4. Lauf zur VLN damit bereits
nach wenigen Minuten beendet. Glück im Unglück hatte der Pilot, der durch
die stabile Schutzausstattung des BMW keinerlei Blessuren davon trug. Auch
der Unfallverursacher blieb ohne Verletzungen – der BMW des Team Derscheid
hingegen benötigt jetzt eine deutlich längere Reparaturpause.
Der nächste Lauf zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring
(VLN) findet am 03. Juli 2010 statt. Die Renndistanz beträgt ebenfalls vier
Stunden.
Text und Foto: Redaktionsbüro Meuren
Stimmen nach dem Rennen
Rolf Derscheid, Teamchef
und Fahrer:
„Unser Auto hat es derb erwischt. Dennoch bin ich über den verhältnismäßig
glimpflichen Ausgang froh. Auch wenn das Auto extrem stark beschädigt ist –
wichtig ist, dass weder Michael Flehmer noch der andere Fahrer verletzt
wurden. Unser Rennauto wird nun in heimischer Werkstatt von unserem
Karosseriebauer begutachtet. Erst danach kann ich sagen, was wir
unternehmen. Beim nächsten Lauf starten wir auf jeden Fall, wenn
erforderlich, mit unserem Ersatzauto. Das sind wir unseren Fans und
Sponsoren schuldig.“
Michael Flehmer, Fahrer:
„Ich hatte keinerlei Möglichkeit auszuweichen. Zwar fuhr ich so weit wie
möglich nach rechts, jedoch ohne echte Chance, dem Unfall zu entgehen. Der
Einschlag des Konkurrenten in die Fahrerseite war schon heftig, die Cardiff
Zelle hielt jedoch hervorragend stand. Mir ist nichts passiert und ich werde
weiterfahren. Vielleicht sollten manche Kollegen versuchen, ihren Übereifer
in den Griff zu bekommen, um sich und andere vor Schäden zu bewahren.“
24h-Rennen 2010 Bericht 2
"Matthes und
Derscheid holen den Hattrick!"
Nürburgring/Würzburg:
Matthes Motorsport und Team Derscheid traten zum zweiten Mal in Folge beim
24h-Rennen auf dem Nürburgring und der Nordschleife als ein Team auf. Für
alle Mitglieder gab es nur ein Ziel: den dritten Klassensieg in Folge beim
härtesten Langstreckenrennen der Welt einzufahren.
Bei drei Trainingssitzungen
dominierte vor allem eins: das Wetter. Über Tag erreichten die Temperaturen
keinen zweistelligen Bereich, in der Nacht lagen sie knapp über dem
Gefrierpunkt. Dazu trieb ein eisiger Wind immer wieder Regenschauer über die
Eifel und den Nürburgring. Entsprechend verhalten gingen die Fahrer Michael
„Mick“ Jestädt (Fulda), Werner Schlehecker (Rösrath), Rolf Derscheid (Much)
und Michael Flehmer (Overath) zu
Werke in dem von Matthes Motorsport vorbereiteten und betreuten BMW
318is Coupé. Nach einem freien und zwei gewerteten Trainingsläufen fand sich
das Team auf Rang zwei der Klasse V2 und Rang 164 der Gesamtwertung wieder.
Der Drang, die Poleposition der Klasse zu erlangen, war besonders bei den
Fahrern groß, größer war jedoch das Risiko, aufgrund schlechter
Streckenverhältnisse den Rennwagen zu beschädigen. Die Teamchefs Peter
Matthes und Rolf Derscheid entschieden sich gegen einen Angriff auf
Startposition eins und gaben sich mit Rang zwei zufrieden.
Elektronik sorgt für
Kopfzerbrechen
Der Wettergott hatte ein
Einsehen mit den Protagonisten des 38. internationalen ADAC Zurich
24h-Rennens: Am Rennsamstag verzogen sich schon früh die Wolken und die
Sonne sorgte für eine trockene Strecke und zufriedene Gesichter bei mehr als
200 Teams und bei über 220.000 Zuschauer. Pünktlich um 15 Uhr startete das
größte Langstreckenrennen der Welt. Aufgeteilt in drei Startgruppen, mit je
einer Minute Abstand, überquerten mehr als 200 Rennautos die
Start-Ziel-Linie. Michael Jestädt pilotierte den BMW 318is während der
äußerst spektakulären Startphase. Wohl wissend, dass ein 24-Stunden Rennen
lange dauert und die Nordschleife Material mordend ist, hielt sich der
erfahrene Pilot zunächst zurück und verfolgte den auf Platz eins liegenden
Konkurrenten auf Schritt und Tritt. Doch noch bevor die erste Rennstunde
vorüber war, lag der Matthes BMW auf Rang eins der Klasse V2. Jestädt
umrundete mit kontinuierlichen Zeiten die Nürburg und konnte den Abstand
stetig ausbauen.
.gif)

In der weiteren Folge sollten
Flehmer, Schlehecker und Derscheid sich am Volant des BMW abwechseln und ein
nahezu problem- und fehlerfreies Rennen fahren. Aber nur nahezu: In der
Dämmerung stellte sich ein Elektronikproblem ein, das für einen Ausfall von
Tacho und Kühlsystem der Hinterachse sorgte. Trotz Fehlersuche der
Mechaniker bei den Boxenstopps fanden sie die Ursache nicht. Während der
Tachoausfall keine Probleme bereitete, sorgte die ständig steigende
Temperatur am Hinterachsgetriebe für Schweißperlen auf der Stirn von Fahrern
und Mechanikern. Doch die solide Technik das BMW 318is hielt auch diesen
Belastungen stand, und selbst nach 24 Stunden Rennbetrieb zeigte das
Hinterachsgetriebe keine Schwäche.
Ebenfalls keine Schwäche zeigte
das gesamte Team Matthes und Derscheid. Während die Fahrer konstant ihre
Runden drehten, bereiteten sich die Mechaniker auf anstehende Boxenstopps
vor und erledigten diese in gewohnt routinierter Manier. Tanken, Reifen
wechseln, Flüssigkeitsstände kontrollieren, Scheiben, Scheinwerfer und
Spiegel reinigen und alle Bauteile einer Sichtprüfung unterziehen – schnell,
ohne Hektik und reibungslos fertigen sie den BMW bei jedem Halt nach rund
zwei Rennstunden ab.
Schreck in der Dunkelheit
Offenbar weiteten sich die
Elektronikprobleme schleichend aus und befielen auch die Tankuhr. Angezeigt
bekam Rolf Derscheid eine Kraftstoffrestmenge von 25 Prozent, die
tatsächlich jedoch längst unterschritten war. Mit stotterndem Motor rollte
der blaue BMW im Bereich „Klostertal /Steilstrecke“ aus und sofort wusste
der erfahrene Pilot, dass nur Kraftstoffmangel die Ursache für den
Stillstand sein konnte. Dem unermüdlichen Einsatz der Streckensicherung in
diesem Bereich sowie der zahlreichen Fans war es letztendlich zu verdanken,
dass die unfreiwillige Pause auf ein Minimum beschränkt wurde. Derscheid
erreichte die Box, war jedoch auf Platz zwei der Klasse zurück gefallen, was
aber keine Hektik verbreiten sollte. Denn immerhin galt es noch mehr als 18
Stunden im Renntempo zu absolvieren, ehe die schwarz-weiß karierte Flagge
das Rennen am Sonntag beenden sollte.
Während bei vielen Fahrern die
rabenschwarze Eifel-Nacht für langsame Rundenzeiten sorgte, schien sie die
Piloten von Matthes & Derscheid anzuspornen: Mit gleichen Rundenzeiten wie
am helllichten Tag machten sie Boden auf die Spitze gut. Besonders Mick
Jestädt schien die Nacht zu beflügeln: Pro Runde holte er bis zu 50 Sekunden
auf den Führenden der Klasse auf. Zum Überholen kam es nicht – der
planmäßige Boxenstopp verhinderte das Manöver. In den weiteren Nachtstunden
gelang es Michael Flehmer, Platz eins wieder zu erobern, zu halten und zu
festigen.
In festgelegter Reihenfolge
drehten die vier Piloten ihre Runden, die aufgrund defensiver und besonnener
Fahrweise recht ereignislos verliefen. Ausgenommen für Werner Schlehecker,
den Dekra - Ingenieur, der zum Urgestein der Langstrecken-Szene auf der
Nordschleife zählt: Für ihn näherte sich mit jeder absolvierten Runde das
Ende seines letzten 24h-Rennen. Und so überließen seine drei Fahrerkollegen
ihm die Ehre, den BMW von Matthes Motorsport nach exakt 24 Stunden über die
Ziellinie zu fahren.
.gif)

Das Team Matthes & Derscheid drehte in 24 Stunden 125
Runden und legte damit 3172,25 Kilometer im Renntempo zurück. Der dritte
Klassensieg in Folge setzt ein deutliches Zeichen für das Team: Siegeswille,
Perfektion, Geist und Harmonie zeichnen das „kleine“ Privatteam aus.
Übrigens: Während des gesamten Rennens – vom ersten freien
Training am Donnerstag bis zum Zieleinlauf am Sonntag – wurde Matthes &
Derscheid von einem Kamerateam des Fernsehsenders „Sport 1“ begleitet. Die
Sendung wird am 26. Mai um 20:15 ausgestrahlt und vergleicht ein Werksteam
mit dem Matthes & Derscheid - Privatteam.
Text und Fotos:
Redaktionsbüro Meuren / Uwe Meuren
Stimmen zum Rennen
Peter Matthes, Teamchef
„Wir haben ein von Un- und Ausfällen geprägtes Rennen schadlos überstanden –
eine tolle Leistung der Fahrer, die letztendlich auch für den Hattrick
sorgte. Gleichwohl gebührt der Sieg dem gesamten Team. Denn ein 24h-Rennen
wird sowohl auf der Strecke als auch in der Box oder der Küche gewonnen.
Mein Dank gilt den freiwilligen Helfern, die schon vor dem Rennen großartig
gearbeitet haben. Der dritte Sieg in Folge gibt Ansporn für 2011: gemeinsam
mit Derscheid auf einem größeren Auto ist ein ernstzunehmender Plan.“
Rolf Derscheid, Fahrer,
Teamchef
„Zunächst gilt mein Dank den Streckenposten und Fans im Streckenabschnitt
Klostertal / Steilstrecke, die mir mit Kraftstoff ausgeholfen haben. Danke
Jungs – ihr habt wenigstens ein Bier bei mir gut!
Das Rennen lief außergewöhnlich harmonisch ab: Große und
kleine Autos nahmen Rücksicht aufeinander und keiner versuchte mit Gewalt
seine Linie zu verteidigen. Derart ruhig und defensiv habe ich
lange kein 24h-Rennen
mehr erlebt. Unser Auto war klasse vorbereitet und lief,
abgesehen von kleineren Problemen, sauber durch. Ein schönes Rennen liegt
hinter uns – Danke an alle Helfer und Freunde!“
Werner Schlehecker,
Fahrer
„Es war meine letzte Teilnahme am 24h-Rennen – als Fahrer. Zunächst danke
ich der Dekra, die meinen Einsatz ermöglicht hat. Danke an Matthes
Motorsport, die ein erstklassiges Auto bereitgestellt haben und gemeinsam
mit den Mechanikern von Derscheid eine lupenreine Boxenarbeit leisteten.
Meine ersten Runden waren geprägt von zahlreichen Unfallstellen, ich fand
keinen Rhythmus, und so war ich mit meinen Rundenzeiten nicht so ganz
zufrieden. Erst zur zweiten Rennhälfte wurden die Unfälle weniger und man
konnte konzentriert fahren. Sehr emotional: Die letzte Runde, in der ich
mich sogar vom Konkurrenten habe überholen lassen – unser Vorsprung war groß
genug. Mit Gänsehaut und Tränen in den Augen habe ich das Ziel überquert.“
Michael „Mick“ Jestädt, Fahrer
„Ich habe die Nacht zum Tag gemacht und
wirklich tolle Rennrunden in völliger Dunkelheit erlebt. Abgesehen von
vielen Unfällen war es ein harmonisches Miteinander auf der Rennstrecke, das
ich so noch nicht erlebt habe. Top-Teams sind mit sehr viel Um- und
Rücksicht gefahren. Ich hatte nicht eine brenzlige Situation mit einem
Fahrzeug der schnellen Klassen. Matthes Motorsport hat wieder einmal ein
erstklassiges Rennauto bereit gestellt, das in allen Lagen super
funktioniert hat. Gut funktioniert hat auch die Mannschaft: Mechaniker,
Küche und Helfer haben tolle Arbeit geleistet. Nur so war der Sieg zu
erringen.“
Michael Flehmer, Fahrer
„Es wurde sehr fair gefahren, die Posten haben sehr gut gearbeitet und es
herrschte regelrechter Einklang auf der Strecke. Störend empfand ich, dass
viele Fahrer in der Nacht ihr Licht nicht reduziert haben, selbst dann
nicht, wenn man unmittelbar vor ihnen gefahren ist. Der BMW von Matthes
Motorsport ist echt Klasse. Ich habe ihn nicht ausgequetscht, da es ein
extrem langes Rennen war und es einen
langen Atem brauchte, um das Ziel zu sehen. Dennoch kann man mit dem Auto
jede Geschwindigkeit fahren und die Konkurrenz gefahrlos kontrollieren.
Insgesamt ein tolles Rennen, bei dem letztendlich auch das Wetter
mitgespielt hat. Danke an Matthes und Derscheid.“
24h-Rennen 2010 Bericht 1
"BMW
gewinnt 24-Stunden-Rennen 2010 auf dem Nürburgring"
Team Derscheid/BMW
Matthes macht das Triple und gewinnt erneut nach den Jahren 2008 und 2009
die Klasse V2
VON GÜNTHER WOLFF
Much/Nürburgring -
Nach fünf Jahren Abwesenheit gelang dem BMW-Werksteam ein triumphales
Comeback. Bei einem turbulenten Rennen vor 220 000 Zuschauern siegten Pedro
Lamy, Jörg Müller, Uwe Alzen und Augusto Farfus auf BMW M3 GT2. Platz zwei,
mit nur 3:54 Minuten Abstand ging an das Privatteam Farnbacher Racing
welches zum ersten Mal einen Ferrari einsetzte und sensationell aufs
Siegerpodest fuhr. Platz drei ging an den Audi R8 LMS des Phoenix Racing
Team.
Das diesjährige
24-Stunden-Rennen war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Nach
insgesamt 12 Führungswechseln, bedingt durch Unfälle und technische Defekte
fielen die Erstplatzierten immer wieder aus- oder zurück. Selbst das am Ende
siegreiche Fahrzeug der Bajuwaren mit der Startnummer 25 blieb von
technischen Problemen nicht verschont und musste sich, mit Getriebeproblemen
den Sieg erzittern. „Wir haben einen Gang nach dem Anderen verloren“, so die
Aussage von BMW-Motorsportchef Dr. Mario Theissen. Nachdem die Fahrzeuge des
in den letzten Jahren siegreichen Porsche-Manthey-Teams durch Unfälle nach
und nach ausfielen, blieb zunächst nur der eingesetzte Porsche GT3-R mit
Hybrid-Antrieb im Rennen und konnte sich lange Zeit an der Spitze behaupten.
Doch auch dieses Fahrzeug musste der längsten und härtesten Rennstrecke der
Welt Tribut zollen und fiel 1,5 Stunden bevor es die Zielflagge erreichte
mit Motorproblemen aus.
Dass auch die kleinen
Privatteams siegen können beweist das Team Derscheid/BMW Matthes. Nachdem in
den Jahren 2008 und 2009 schon der Sieg der Klasse V2 gelang, erzielte man
in diesem Jahr mit einem perfekt von BMW Matthes vorbereiten Fahrzeug und
der fehlerfreien Fahrtweise der Piloten Rolf Derscheid, Michael Flehmer,
Michael Jestädt und Werner Schlehecker den dritten
Klassensieg in Folge auf BMW 318iS. Lag man nach dem Zeittraining noch knapp
geschlagen auf dem zweiten Startplatz, so konnte man schon kurz nach dem
Start die Führung übernehmen und immer weiter ausbauen. Das Fahrzeug kam nur
zu planmäßigen Boxenstopps um Fahrer und Reifen zu wechseln und neuen Sprit
an Bord zu nehmen. Dann schlugen gegen 23.00 Uhr die Wogen hoch. Der blaue
BMW mit der Startnummer 205 stand auf der Strecke im „Klostertal“ und konnte
über den Bordfunk nicht erreicht werden. Die Meldungen überhäuften sich und
die Telefone glühten. „Das Fahrzeug ist in die Leitplanken eingeschlagen“,
oder „Das Fahrzeug hat einen technischen Defekt“, so die schlechten
Botschaften. Bevor man das Fahrzeug erreichen konnte, Mitglieder des Team
machten sich auf den Weg zur angeblichen Unfallstelle, stand das Fahrzeug
plötzlich an der Box. Weder ein technischer Defekt, noch ein Unfall war der
Grund für die Zwangspause. Die Tankuhr zeigte den falschen Stand an und das
Fahrzeug blieb ganz einfach durch Spritmangel liegen. Aber was wäre das
24-Stunden-Rennen ohne seine immer hilfsbereiten Fans an der Nordschleife.
Schnell war ein Kanister mit Sprit zur Stelle und die Fahrt konnte
weitergehen. „Vielen Dank noch einmal an den Spender, bei den
Benzinpreisen“, so Fahrer Rolf Derscheid. Durch diesen Zwangsstopp verlor
das Team Derscheid den herausgefahrenen Vorsprung und nahm mit 3 Minuten
Rückstand die Verfolgung wieder auf. Schon nach kurzer Zeit war man wieder
an den Führenden der Klasse herangefahren, welcher dann aber mit
Motorschaden ausfiel.
Eine weitere
Schrecksekunde war noch zu überstehen als plötzlich ein Teil eines
verunfallten Fahrzeuges auf der Fahrbahn lag und der BMW nicht mehr
ausweichen konnte. Die Front des Fahrzeuges wurde leicht beschädigt, jedoch
durch großes Glück, waren weder Kühler noch Ölkühler davon betroffen. An der
Box wurden die kleinen Blessuren mit Tape repariert und die letzten Stunden
wurden wieder in Angriff genommen. „Ich habe das Fahrzeug über die Strecke
getragen, bin jedem Zweikampf aus dem Weg gegangen“, so die Worte von Werner
Schlehecker, der Pilot der letzten Stunde. Als das Fahrzeug um 15.00 Uhr die
Ziellinie zum letzten Mal überfuhr, betrug der Vorsprung auf den
Klassenzweiten zwei Runden.
.gif)
Am Ende wurde die
hervorragende Arbeit des ganzen Teams, von Fahrern, Mechanikern, Zeitnahme
und nicht zu vergessen der „Verpflegungscrew“ welche die ganze Zeit für das
leibliche Wohl des Teams sorgte mit dem dritten Sieg in Folge belohnt.
24h-Vorschau 2010 Teil 2
"Im Blickpunkt
der Medien"
Der Fernsehsender Sport 1 –
ehemals DSF – berichtet 20 Stunden live vom diesjährigen internationalen
ADAC-Zurich 24h-Rennen. Doch das reicht dem Sportsender noch nicht: Nach dem
Rennen zweimal rund um die Uhr befasst sich die Sendung „Turbo“ noch einmal
mit dem Megaevent in der Eifel und zwar auf die ganz besondere Art. Im Fokus
steht der direkte Vergleich zwischen Werks- und Privatteams. Peter Matthes,
der gemeinsam mit Rolf Derscheid das 24h-Rennteam Derscheid & Matthes
Motorsport leitet: „Der Fernsehsender hat uns telefonisch das Konzept, den
Aufwand und den Sinn erläutert und gefragt, ob wir mit einer entsprechenden
Berichterstattung einverstanden seien. Unsere Zustimmung erfolgte direkt,
schließlich hat man als kleines, privates Rennteam nicht alle Tage die
Möglichkeit, ins Fernsehen zu kommen.“
Um authentisch die Geschehnisse
rund um das Team Derscheid & Matthes Motorsport verfolgen zu können, stattet
Sport 1 den von Matthes Motorsport vorbereiteten BMW 318is Coupé mit
mehreren Kameras aus. Gleichzeitig wird das Treiben der Teammitglieder
während und zwischen den Boxenstopps von einem Kamerateam begleitet. „Man
wird jeden unserer Handgriffe filmen und unsere Teammitglieder sind die
Hauptdarsteller in einem sicherlich interessanten Fernsehbeitrag. Wir
freuen uns, dass die Wahl von Sport 1 auf uns gefallen ist, was für alle
noch mehr Ansporn ist, den dritten 24h-Rennen-Klassensieg in Folge
einzufahren“, so beide Teamchefs im Einklang.
Über die Ausstrahlungstermine
informieren wir rechtzeitig.
Text: Redaktionsbüro Uwe
Meuren
24h-Vorschau 2010 Teil 1
"Aus zwei mach
eins – und drei gewollt!"
Würzburg: Team Derscheid Motorsport (Much)
und Matthes Motorsport (Meiningen-Dreißigacker) treten in der
Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring gegeneinander an, liefern sich
harte aber stets faire Kämpfe und jagen sich gegenseitig die Punkte der
Meisterschaft ab. Einmal im Jahr machen beide Teams gemeinsame Sache – beim
größten und härtesten Langstreckenrennen der Welt, beim 24h-Rennen auf dem
Nürburgring.
Die Katastrophe hätte fast
nicht größer sein können: Im dritten Lauf zur Langstreckenmeisterschaft,
exakt drei Wochen vorm Start des 24h-Rennens, verunfallte der BMW 318is
Coupé von Team Matthes Motorsport. Somit stand das Team Matthes vor der
Herausforderung, das 24h Einsatzauto in einigen Nachtschichten startbereit
für das 24h Rennen vorzubereiten. Das professionelle Team von Matthes
Motorsport meisterte diese Aufgabe sehr gut, so dass der Renner top
vorbereitet auf seinen 24h Einsatz wartet. Fahrzeug und Fahrer fit –
versichern beide Teamchefs gut acht Tage vorm Start zum Klassiker in der
Eifel, während die Vorbereitungen ihren Höhepunkt erreicht haben. Beide
Teams werfen ihr bestes Material in den Topf, um den dritten Klassensieg in
Folge einzufahren. Während Matthes Motorsport den Rennwagen stellt, ist das
Team Derscheid mit der Organisation beauftragt, die Mechanikercrew stammt
aus beiden Teams.
Auf die Frage, warum man den
Langstreckenklassiker gemeinsam angehe, antworten die Teamchefs Rolf
Derscheid und Peter Matthes: „Auf diese Weise senken wir nicht nur den
finanziellen und materiellen Aufwand, sondern wissen gleichzeitig, was
unsere Fahrer zu leisten im Stande sind. Überdies kennen sich Mechaniker und
Boxencrew und ergänzen sich so, wie wir letztes Jahr beweisen konnten,
hervorragend.“
.gif)

Nordschleife als zweites
Zuhause
Die Fahrerpaarung des Team
Derscheid & Matthes könnte nicht besser sein: Man kennt sich aus den Kämpfen
der Langstreckenmeisterschaft, weiß um Stärken und Schwächen der einzelnen
Piloten und kann so auf jede Begebenheit personell reagieren. Rolf Derscheid
(Much), Michael Flehmer (Overath), Werner Schlehecker (Rösrath) und Michael
„Mick“ Jestädt (Fulda) teilen sich im Zweistundenrhythmus das Cockpit des
BMW während der gesamten Renndistanz. Seit Jahren gehen die Vier regelmäßig
an den Start in der VLN, kennen den Nürburgring und die Nordschleife wie
ihre Westentasche, wenn nicht sogar besser.
In diesem Jahr wird der Kampf
um den Klassensieg jedoch deutlich härter als noch in den vergangenen
Jahren. Beide Teamchefs wissen, dass: „die Werksmannschaften sofort den
Kampf um die Spitze einläuten. Das heißt, wir werden sehr umsichtig fahren.
Unsere Fahrer müssen noch mehr mit Rückspiegel arbeiten, als es die
vergangenen Jahre erforderlich war. Gleichzeitig ist unsere Startklasse V2
diesmal deutlich voller und alle haben nur ein Ziel: Auf Platz eins nach 24
Stunden über die Ziellinie zu fahren.“
Zwar ist für viele die
Bewältigung der Distanz schon als Erfolg zu werten, für echte Rennfahrer
jedoch zählt nur der Sieg. „Und den wollen wir zum dritten Mal in Folge
unbedingt erreichen“, lassen Peter Matthes und Rolf Derscheid
verheißungsvoll wissen.
Text und Foto:
Redaktionsbüro Meuren
VLN
Langstreckenmeisterschaft 2010, Lauf 3
"Zur alten Leistung zurück gefunden"
Nürburgring/Würzburg:
Die Ursache des Leistungsmankos beim BMW 318is des Team Derscheid waren kurz
vorm dritten Rennen zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN)
gefunden. Mit frischem Elan ging das Team Rund um Teamchef und Fahrer Rolf
Derscheid an den Start. Der Jubel über den Klassensieg ging jedoch in der
Trauer um einen getöteten Fahrer unter.
Während die fahrerische Leistung bei den ersten beiden
Rennen zur VLN tadellos war, kämpfte der sonst zuverlässige BMW des Team
Derscheid mit Leistungsverlust. Nach reichlich Überstunden und
Nachtschichten in der heimischen Werkstatt wurde der Fehler gefunden und
behoben. Ein Test auf dem Leistungsprüfstand brachte Gewissheit: Der
BMW-Motor lieferte wieder volle Leistung, das Team konnte mit geschärften
Waffen angreifen.
Bei Sonnenschein und ungewohnt milden Morgentemperaturen
ging Michael Flehmer (Heiligenhaus) zuerst auf die Jagd nach einer guten
Zeit. Seine Runde war zwar gut, aber weit weg vom perfekten Umlauf. So
musste Teamchef Rolf Derscheid (Much) in den Kampf, um die beste
Startposition zu ergreifen, die er wenigstens kurzfristig dem Team sichern
konnte. In letzter Sekunde konterte der Wettbewerb und verbannte das Team
Derscheid mit einem Vorsprung von 7/100 Sekunden auf Rang zwei der Klasse
V2. Während sich die Fahrer auf der Strecke schon im Training einen
sehenswerten Schlagabtausch lieferten, schickte Teamchef Derscheid einen
Mechaniker als Unterstützung zur Konkurrenz: Denn das Schweizer Team Stefan
Abegg/ Benedikt Frei musste mit Kupplungsproblemen das Training vorzeitig
beenden und hatte nicht genügend Mechaniker, um die Reparatur pünktlich zum
Rennbeginn abgeschlossen zu haben.
Traditionell saß Michael Flehmer zuerst im Auto: Die
„heiße“ Startphase sowie die beiden ersten Rennstunden hatte er zu
absolvieren. Auf Platz zwei liegend folgte er dem Führenden der Klasse wie
ein Schatten, beide schenkten sich nichts und so wechselte die Führung in
der Klasse ständig. Als erste Überrundungen anstanden und die ersten
„großen“ Fahrzeuge von hinten auf die Klasse V2 aufliefen, begann Flehmer
mehr auf Sicherheit zu fahren. Ohne Brechstange und somit ohne die Gefahr
eines Unfalls blieb er auf Rang zwei liegend dem Führenden auf den Fersen.
In Runde sechs machte der Konkurrent einen entscheidenden Fehler, rutschte
von der Strecke und Flehmer konnte ihn gefahrlos überholen. Während der
Wettbewerber sich waidwund zur Box schleppte, sorgte Flehmer auf Platz eins
liegend für stetig wachsenden Vorsprung. Nach zwei Stunden Renndauer war der
Einsatz für Flehmer beendet. Auf Platz eins liegend, mit reichlich Abstand
zum Verfolgerfeld übergab er den BMW an seinen Teamchef und Fahrerkollegen
Rolf Derscheid.
.gif)

Rennabbruch nach Unfall
mit Todesfolge
Derscheid fuhr nur noch so schnell, um den Abstand zu den
Verfolgern zu kontrollieren. Ohne Risiko drehte er seine Runden, fuhr
schneller, wenn der Abstand schmolz und langsamer, wenn er groß genug war.
Doch der erfahrene Nordschleifenpilot konnte 1,5 Stunden des Rennens
genießen: In seiner 8. Runde brach die Rennleitung das Rennen ab. Ursache
war ein schwerer Unfall im Bereich Bergwerk, bei dem ein Fahrer noch an der
Unfallstelle verstarb. Zunächst war der Jubel über Platz eins im Team
Derscheid groß, bis das ganze Ausmaß des tragischen Unfalls wie ein
Lauffeuer im Fahrerlager die Runde machte. Augenblicklich rückten Sieg und
Pokal beim Team Derscheid in den Hintergrund, fortan waren alle Gedanken
beim getöteten Fahrer und dessen Angehörigen.
Der vierte Lauf zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring
findet am 12. Juni 2010 statt, die Renndistanz beträgt ebenfalls vier
Stunden.
Text und Foto: Redaktionsbüro Meuren
Stimmen nach dem Rennen
Rolf Derscheid, Teamchef
und Fahrer:
„Wir sind wieder voll da, unser Auto hat seine Leistung wieder, wir haben
gezeigt, dass wir nach wie vor siegen können. Im Freitagstraining spielte
der 2. Gang nicht richtig mit, so dass wir am Freitagabend noch das Getriebe
gewechselt haben, was sich als gut herausstellte. Denn im Rennen hätten wir
keine Möglichkeit gehabt es zu wechseln, falls die Probleme schlimmer
geworden wären. Der Sieg hat natürlich einen bitteren Beigeschmack,
schließlich haben wir einen Fahrerkollegen verloren. Wir trauern mit der
Familie des Fahrers und sprechen unser tiefstes Mitgefühl aus.“
Michael Flehmer, Fahrer:
„Der Kampf um die Spitze war extrem hart. Zwar konnte ich am Führenden dran
bleiben, nicht jedoch, ohne sehr hohes Risiko zu gehen. Daher habe ich mich
auf dem zweiten Platz gehalten, was sich am Ende ausgezahlt hat. Das Auto
war wieder fit und von Derscheid Motorsport erstklassig vorbereitet. Mein
Beileid zum Tod des Fahrerkollegen. In solchen Momenten bekommt man unsanft
vor Augen geführt, wie gefährlich unser Sport in Wirklichkeit ist, was zu
schnell vergessen wird.“
VLN
Langstreckenmeisterschaft 2010, Lauf 2
"Platz eins mit
Ersatzwagen"
Nürburgring/Würzburg: Schon beim ersten
Rennen der neuen Saison zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN)
kämpfte das Team Derscheid aus Much mit den Tücken der Technik, ohne dem
Fehler Herr zu werden. Nur zwei Tage vorm Rennen entschied sich Teamchef
Rolf Derscheid, mit dem Ersatzauto an den Start zu gehen.
Nach Lauf 1 hatte das Team Derscheid, insbesondere Teamchef
und Mechaniker alle Hände voll zu tun: Zwar gab es keinen Unfallschaden zu
beheben, dafür galt es aber, einem unerklärlichen Leistungsverlust auf die
Schliche zu kommen. Bis zwei Tage vor Rennbeginn hatte das Team unzählige
Diagnosen erledigt, zahllose Teile getauscht und Unmengen Kilometer auf dem
Leistungsprüfstand zurückgelegt, ohne jedoch dem Defektteufel auch nur in
die Nähe gekommen zu sein. Also wurde in einer echten Hauruck-Aktion das
zweite Auto mit Funk und Sitz des eigentlichen Einsatzwagens aufgerüstet und
zum Nürburgring gebracht. Das Team widmete sich während des freien
Freitagstrainings einzig und allein der Abstimmung des Ersatzrenners. Rolf
Derscheid und Michael Flehmer (Overath) spulten Runde um Runde ab, um das
gewünschte Fahrverhalten zu erreichen. Mit einem, in Anbetracht der knappen,
zur Verfügung stehenden Zeit, einigermaßen funktionierenden Auto gab man
sich Freitagabend zufrieden und blickte mit reichlich Spannung in Richtung
Training und Rennen am folgenden Samstag.
_2010.gif)

Harter Kampf, bis
Konkurrenz strauchelt
Wie schon während des Trainings zum ersten Rennen der
Meisterschaft, galt der Kampf von Flehmer und Derscheid auch diesmal nicht
nur den direkten Konkurrenten der Klasse V2, sondern auch vielen Neulingen
auf der Nordschleife und der Rennserie. Immer wieder wurden die Routiniers,
die auf einem der leistungsschwächsten Fahrzeuge im Feld unterwegs waren,
von Newcomern auf PS-starken Wagen ausgebremst. Dieser Umstand, in
Kombination mit einer nicht ganz perfekten Fahrwerksabstimmung bescherte
Team Derscheid nach 1,5 Stunden Zeittraining den zweiten Platz der Klasse
V2. Es war der Teamchef selbst, der in 10:22 Minuten die beste Runde
abspulte. Ganz zufrieden waren beide Fahrer nicht, denn mit fünf Sekunden
lagen sprichwörtliche Welten zwischen Startplatz eins und zwei. Dennoch ging
das Team mit einer gehörigen Portion Optimismus an den Start, denn immerhin
stand man nach dem Training gut 20 Sekunden vor dem dritten Startplatz in
aussichtsreicher Position.
Michael Flehmer ging zuerst in das vier Stunden dauernde
Rennen und entdeckte direkt hinter der Startlinie eine Lücke im Feld, in die
er hineinfahren konnte – damit verwies er den Trainingsschnellsten auf Platz
2. Leider hielt die Freude doch nur kurz, denn zügig hatte der
Trainingsschnellste die alte Rangordnung wieder hergestellt und legte in
großen Schritten einen gehörigen Abstand zwischen sich und den BMW 318is des
Teams Derscheid. Durch eine technische Unterlegenheit schaffte Flehmer es
nicht, Anschluss zu halten und musste den Führenden kampflos ziehen lassen.
Den zweiten Platz konnte er jedoch problemlos nach hinten absichern. In
Runde zwölf wurde Startfahrer Michael Flehmer zeitgleich mit dem Führenden
der Klasse V2 in die Box zum Fahrerwechsel beordert. Während beim Team
Derscheid der Boxenstopp fehlerfrei über die Bühne ging, versagte beim
Führenden die Tankanlage und Rolf Derscheid ging mit einem hauchdünnen
Vorsprung zuerst in die zweite Rennhälfte. Was dann folgte, kann kein
Krimiautor spannender schreiben: Derscheid konnte immer wieder einige Meter
davon fahren, wurde aber spätestens auf den Geraden vom direkten
Konkurrenten wieder eingefangen. So kämpften beide Runde um Runde verbissen,
hart aber fair, bis Derscheids ärgster Widersacher mit einem technischen
Defekt seine Segel streichen musste. Rolf Derscheid drehte damit ab Runde 17
einsam seine Runden an der Spitze des Feldes, um den ersten Platz sicher
über die Ziellinie zu bringen.
Lauf drei zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring findet
am 24. April 2010 statt, die Renndistanz beträgt ebenfalls vier Stunden.
Text: Redaktionsbüro Meuren
Foto: Klaus Janda
Stimmen nach dem Rennen
Rolf Derscheid, Teamchef
und Fahrer:
„Kein Mensch hat nach dem Desaster am Donnerstag und Freitag an einen ersten
Platz geglaubt. Ohne die glückliche Fügung beim Boxenstop hätten wir aus
eigener Kraft Rang eins nicht erreicht – der Ausfall des Konkurrenten hat
uns in die Karten gespielt. Die technische Überlegenheit des Wettbewerbes
war auch mit fahrerischem Engagement nicht wett zu machen. Überdies sind
beide Fahrer der Konkurrenz sehr gut gefahren. Wir versuchen erneut, den
Fehler beim Einsatz-Auto bis zum nächsten Rennen zu finden. Wenn es uns
nicht gelingt, starten wir wieder im Ersatzwagen. Der Klasse V2 bleiben wir
vorläufig auf jeden Fall treu. Wir wollen erstmal das 24h Rennen fahren.
Danach werden wir überlegen und entscheiden, wie und in welcher Klasse es
weitergeht.“
Michael Flehmer, Fahrer:
„Nur einmal konnte ich dem Wettbewerber Paroli bieten: als ich direkt nach
dem Start in die Lücke stach. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Der
weitere Verlauf des Rennens war eher ruhig, ich konnte Platz zwei problemlos
halten. Auch wenn wir jetzt mit dem Ersatzauto gepunktet haben, freue ich
mich, wenn unsere Mechaniker den Fehler am ursprünglichen Auto finden und
wir wieder auf Augenhöhe ernsthaft mit unseren Konkurrenten um Punkte
kämpfen können.“